"Alter Sack" und nun ...

Veröffentlicht am 01.11.2024 in Allgemein

Bei unserer politischen Informationsfahrt mit unserer Abgeordneten Heike Heubach besuchten wir das Bundeskanzleramt. Es ist ein beeindruckendes Gebäude, in dem Architektur, Farben, Zweck und Kunst vereint sind.

Angesichts des Alters von Olaf Scholz und mir kamen wir auf die Bezeichnung „alter Sack“ zu sprechen. Heike übersetzte uns diesen Begriff in die Gebärdensprache. Und die Übersetzung trifft es genau: Es ist kein prall gefüllter Sack, der über die Schulter geworfen wird, sondern ein faltiger Sack.

Das war die Motivation für eine kleine Recherche: Bei Frauen wird der Begriff mit Ausdrücken wie „alte Schachtel“, „alte Jungfer“, „alte Schraube“ oder „alte Vettel“ bezeichnet. In der Männerwelt gibt es nur wenige vergleichbare Begriffe, wie etwa „alter Herr“ oder „alter Knabe“ – gelegentlich auch „alter Esel“, „alter Bock“ oder „alter Knacker“.

In der Neuen Zürcher Zeitung veröffentlichte Birgit Schmid im Oktober 2017 eine Kolumne dazu. Darin habe ich eine passende Definition gefunden: Der „alte Sack“ wird oft als großzügig oder gönnerhaft beschrieben – jemand, der Erfolge vorzuweisen hat und seine Lebenserfahrung gern teilt, was aber manchmal als überhebliches „Mansplaining“ empfunden wird. Dieses Verhalten wirkt auf viele Frauen abstoßend, doch da dieser Typ Mensch berechenbar ist, lässt sich mit ihm umgehen. Der „alte Sack“ hat als Charakterfigur auch in Literatur und Film einen Platz, etwa in den Werken von Philip Roth oder Woody Allen. Beide werden selbst oft als „alte Säcke“ bezeichnet, und ihr Werk wird zunehmend kritisch beurteilt, anstatt als Lebenslektionen wertgeschätzt.

Nun liegt es am Leser, zu entscheiden, ob er mich als „alten Sack“ bezeichnen möchte. Die Bundestagsabgeordnete Heike Heubach hat sich allerdings geweigert, den Satz „Du alter Sack“ in die Gebärdensprache zu übersetzen.

 
 

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