In Deutschland landen jedes Jahr Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Das muss nicht sein. In Hotels, Supermärkten, Discountern und Bäckereien bleibt abends oft etwas übrig. Obst, Gemüse oder verpacktes Fleisch kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum kauft niemand mehr, obwohl alles noch einwandfrei ist. Inzwischen gibt es zum Glück viele Initiativen, die diese Lebensmittel kostenlos oder für wenig Geld weitergeben.
Ich nutze selbst die App „Too Good To Go“ und habe mir darüber schon mehrmals übrig gebliebenes Frühstück im Dorint Hotel abgeholt. Das ist gut für den Geldbeutel und für die Umwelt.
Ein Gespräch, das überzeugt
Eine besonders gute Einrichtung ist der Fairteiler. Heute war ich mit unserer Bundestagsabgeordneten Heike Heubach auf dem Nachhaltigkeitsfestival in Leitershofen. Dort hatten wir genug Zeit für ein ausführliches Gespräch mit Vera Stöppelkamp von foodsharing.de. Sie ist eine von rund 700 Ehrenamtlichen in der Region Augsburg, die für Fairteiler werben und sich um Sauberkeit und Ordnung kümmern.
Vera hat mir erzählt, wie es in Stadtbergen angefangen hat. Im Stadtrat gab es zunächst Vorbehalte, vor allem wegen der Hygiene. Diese konnte sie mit überzeugenden Argumenten ausräumen. Heute ist der Fairteiler am Oberen Stadtweg 10a, direkt neben dem Rathaus, eine viel besuchte Anlaufstelle. Bürgermeister Paulus Metz erzählte heute mit einem Schmunzeln, dass seiner Meinung nach „das halbe Rathaus“ vorbeischaut, sobald eine neue Lieferung angekommen ist.
Ein Gemeinschaftsprojekt für Stadtbergen
Möglich gemacht hat den Fairteiler unsere Klimaschutzmanagerin Claudia Günther gemeinsam mit foodsharing.de. Aus einer ehemaligen Garage wurde ein heller, geschützter Ort. Besonders freut mich, wie viele Stadtberger Betriebe mitgeholfen haben: Haustechnik Kreuzer spendete einen Frostschutzwächter, die Brauerei Schwarzbräu einen Kühlschrank und die Schreinerei Langenmair eine Glastür samt Einbau. Wörle Bau übernahm ehrenamtlich den Innenputz inklusive Material, Elektrotechnik Ernst die Elektroarbeiten und das Architekturbüro Kolb die Koordination. Die Graffiti-Gestaltung kam von den Bunten. So sanken die Kosten von 3.500 auf 2.000 Euro. Ein schönes Beispiel dafür, was in Stadtbergen möglich ist, wenn alle an einem Strang ziehen.
So funktioniert der Fairteiler
Der Fairteiler ist täglich von 7:30 bis 20:30 Uhr geöffnet, also sieben Tage die Woche. Bestückt wird er vor allem von den 24 aktiven Foodsavern im Bezirk Stadtbergen. Sie holen Lebensmittel bei Geschäften ab, bevor diese weggeworfen werden. Den Fairteiler kontrollieren, dokumentieren und reinigen sie täglich nach strengen Hygieneregeln.
Herausnehmen darf jeder, ganz ohne Voraussetzungen. Auch Privatleute können etwas hineinlegen. Die Grundregel ist einfach: Nur teilen, was man selbst noch essen würde. Erlaubt sind zum Beispiel Obst und Gemüse, Konserven, Trockenware, verpacktes Brot und ungeöffnete Produkte, auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums. Nicht erlaubt sind unter anderem Waren nach Ablauf des Verbrauchsdatums, geöffnete Lebensmittel, Hackfleisch, roher Fisch, Alkohol und selbst zubereitete Speisen. Kühlware darf nur hinein, wenn die Kühlkette eingehalten wurde.
Wichtig ist mir auch: Der Fairteiler ist keine Konkurrenz zur Tafel. Die Tafel hat immer Vorrang. Der Fairteiler rettet die Lebensmittel, die sonst niemand abholt. Wer dort etwas mitnimmt, nimmt also niemandem etwas weg. Er hilft mit gegen Lebensmittelverschwendung und schützt damit auch das Klima.
Mein Vorschlag: Kräfte in Stadtbergen bündeln
In Stadtbergen gibt es mehrere Initiativen, die sich gegen Lebensmittelverschwendung und für Menschen mit wenig Geld einsetzen. Ich würde mir wünschen, dass sie sich zusammentun und den Fairteiler als zentrale Anlaufstelle nutzen. Hier kann man an sieben Tagen in der Woche Lebensmittel abgeben oder sich damit versorgen. Gerade für Menschen, die mit wenig Geld auskommen und auf manches verzichten müssen, ist das eine echte Hilfe. Für alle anderen ist es eine einfache Möglichkeit, im Alltag etwas für Nachhaltigkeit zu tun.
Ihre Ideen sind gefragt
Kennen Sie in Stadtbergen weitere Möglichkeiten, wie übrig gebliebene Lebensmittel verteilt werden? Vielleicht einen Betrieb, der seine Reste abgibt, eine Nachbarschaftsgruppe, eine App oder eine Initiative, die noch nicht so bekannt ist? Dann schreiben Sie mir gerne an stadtbergen@t-online.de. Je mehr Angebote wir kennen und miteinander verbinden, desto weniger landet in der Tonne und desto mehr Menschen profitieren davon.
Mein herzlicher Dank gilt Vera, Claudia Günther, den Foodsavern und allen Betrieben, die den Fairteiler möglich gemacht haben. Wer selbst mithelfen möchte, kann sich im Rathaus melden. Und alle anderen lade ich ein: Schauen Sie einfach mal vorbei!