
24. April 2026 | Bürgersaal Stadtbergen
Für mich ist ein Symphoniekonzert immer ein geistiger und schöner Höhepunkt. Das Zusammenspiel unterschiedlicher Musikinstrumente, die als Gemeinschaft klassischen Stücken Leben einhauchen – das ist ein Gefühl, das sich schwer in Worte fassen lässt. In der ersten Reihe erlebt man dabei noch mehr Details als weiter hinten im Saal: Man sieht die Menschen hinter den Instrumenten, die gemeinsam nach Perfektion und gemeinschaftlichem Erfolg streben. Genau das macht für mich den besonderen Zauber eines solchen Abends aus.
Ein Programm voller Meisterwerke
Das Programm des diesjährigen Frühlingskonzerts war eine Reise durch die Schätze der Opernliteratur. Die Dirigentin Irene Anda – in Norwegen geboren, ausgebildet am Rogaland Musikkonservatorium in Stavanger und mit einem Bachelor- und Masterstudium in Dirigieren bei Professor Maurice Hamers in Augsburg – führte das Orchester mit sicherer Hand durch einen abwechslungsreichen Abend.
Der erste Teil entführte das Publikum in die große Welt der Oper: von Verdis mitreißender Ouvertüre zu La Forza del Destino über Puccinis geliebtes „O mio babbino caro" aus dem Gianni Schicchi, Mozarts charmantes Duett „Là ci darem la mano" aus Don Giovanni, Wagners träumerischem „O du mein holder Abendstern" aus dem Tannhäuser, Offenbachs traumhafter Barcarole aus Hoffmanns Erzählungen bis hin zu Flotows „Ja, was nun" aus Martha. Den Abschluss des ersten Teils bildete Mascagnis ergreifendes Intermezzo aus Cavalleria rusticana.
Nach der Pause stand Bizets unsterbliche Carmen im Mittelpunkt – mit Prélude, Habanera, Seguidilla, der Toreador-Arie und „Si tu m'aimes" ein vollständiges Porträt dieser leidenschaftlichen Oper. Den Abschluss bildeten Johann Strauß' spritziges „Schwipslied" aus Eine Nacht in Venedig sowie Verdis majestätischer Triumphmarsch aus Aïda.
Glanzvolle Solistinnen und Solisten
Ein besonderes Highlight des Abends waren die drei Gesangssolistinnen und -solisten. Katharina Hofmann, die am Leopold-Mozart-College of Music der Universität Augsburg klassischen Gesang studierte und als Sopranistin in der Region bestens bekannt ist, begeisterte ebenso wie Mathieu Lanniel, der als Bariton Mitglied im Extrachor der Bayerischen Staatsoper und des Staatstheaters am Gärtnerplatz ist.
Einen besonders tiefen Eindruck hinterließ bei mir Cornelia Lanz – Mezzosopranistin, mehrfach ausgezeichnet und international gefragt. Beeindruckend war nicht nur ihr gesanglicher Auftritt und die besondere Ausstrahlung ihrer Persönlichkeit, sondern auch ihr Engagement weit über die Bühne hinaus: Als Kulturamtsleiterin der Stadt Lahr und Vorstandsmitglied des Vereins WAM – Women in Arts and Media setzt sie sich aktiv für Frauen im künstlerischen Schaffen ein. Mit ihrem Geflüchteten-Chor „Zuflucht" – der u. a. beim Bundespräsidenten, bei der UNO in Genf und im Bundestag aufgetreten ist – engagiert sie sich darüber hinaus für Menschen mit Migrationsgeschichte. Cornelia Lanz verkörpert, was Kunst in ihrer schönsten Form sein kann: Brücken bauen, Herzen öffnen, Gesellschaft gestalten.
Anmut und Moderation
Sehr schön war auch der Auftritt der Dirigentin Irene Anda selbst: Wie sie nach jedem Stück vom Dirigentenpult hinter die Bühne verschwand, hatte etwas Anmutiges und Theatralisches zugleich. Und Norbert Schwarzer führte mit durchdringender, dunkler Stimme souverän durch den Abend und gab dem Publikum die nötigen Einblicke in die gespielten Werke.
Stolz auf unser Orchester
Wir dürfen stolz sein auf das Symphonieorchester Stadtbergen – auch wenn viele Positionen mit Gastmusikerinnen und Gastmusikern besetzt sind, die dem Ensemble an diesem Abend ihren eigenen Klangcharakter verliehen. Auch die Infrastruktur im Bürgersaal verlangt allen Beteiligten – Musikerinnen, Musikern, Sängerinnen, Sängern und dem Moderator – einiges ab. Umso mehr ist die gebotene Qualität zu würdigen.
Es war ein schöner Abend an einem warmen Freitagabend – und für mich eine wunderbare Einstimmung in mein Geburtstagswochenende.
Ausblick: Das nächste Konzert
Wer Lust bekommen hat, das Symphonieorchester Stadtbergen live zu erleben, darf sich bereits freuen: Am Sonntag, den 15. November 2026, findet das nächste Symphoniekonzert im Bürgersaal Stadtbergen statt. Weitere Informationen demnächst unter: www.symphonieorchester-stadtbergen.de
„Liebe, Musik, Leidenschaft, Neugier, Heldentum – was sonst macht das Leben lebenswert?" – Stendhal