Ilse oder Ines? – Das höchste Amt verdient eine bessere Debatte

Veröffentlicht am 29.10.2026 in Allgemein

Kurz zusammengefasst: Am 30. Januar wählt die Bundesversammlung ein neues Staatsoberhaupt – und zum ersten Mal besteht Einigkeit, dass es eine Frau sein soll. Doch statt darüber zu sprechen, was eine Bundespräsidentin in diesen Zeiten mitbringen muss, erleben wir ein öffentliches Tauziehen innerhalb der Unionsfamilie. Ich meine: Dieses Amt verdient eine bessere Debatte – und ich möchte wissen, was Sie darüber denken.

Vor einigen Wochen habe ich mich bereits mit dem Kommunikationsverhalten unserer Bundesregierung beschäftigt – und mit ihrer erstaunlichen Routine, Personalentscheidungen unglücklich zu gestalten. Auf eines kann man sich dabei verlassen: auf die Verlässlichkeit dieses Musters.

Umso mehr bewegt mich die anstehende Wahl des Staatsoberhaupts. Für mich ist das Amt der Bundespräsidentin oder des Bundespräsidenten etwas Besonderes. Hier braucht es einen Menschen, der über den Dingen steht – der uns zeigt, wo unsere Gesellschaft gerade steht und wohin sie sich entwickeln kann. Ein Staatsoberhaupt motiviert, es mahnt, es spricht uns Mut zu. Und vor allem: Wir vertrauen diesem Menschen.

Es ist spannend zu beobachten, wie sich das Feld der möglichen Kandidatinnen entwickelt. Viele Menschen haben in den letzten Monaten auf Ilse Aigner geschaut. Als Präsidentin des Bayerischen Landtags ist sie ein Fels in der Brandung – sie gibt den Abgeordneten eine klare Richtung vor, wertschätzend miteinander umzugehen, und verfolgt diesen Kurs konsequent. Viele kennen sie, viele vertrauen ihr. Die ZEIT weist zu Recht darauf hin, dass die gelernte Elektrotechnikerin gerade in Zeiten, in denen Populisten das Gefühl schüren, „die da oben“ hätten keine Ahnung vom echten Leben, eine gute Präsidentin sein könnte.

Ein Staatsoberhaupt wird von der Bundesversammlung gewählt – und eine möglichst breite Mehrheit ist ein gutes Fundament für dieses Amt. Oft gab es in der Vergangenheit auch starke Gegenkandidaturen, und das hat unserer Demokratie gutgetan.

Was wir derzeit erleben, ist jedoch etwas anderes: ein Wettbewerb innerhalb der Unionsfamilie, öffentlich ausgetragen. Mit dem Namen Ines Claus, Fraktionsvorsitzende der CDU in Hessen, taucht plötzlich eine Alternative auf – und schon wird darüber diskutiert, ob eine Regionalpartei wie die CSU überhaupt das Staatsoberhaupt vorschlagen darf. Damit schließt sich für mich der Kreis zur Kommunikation unserer Spitzenpolitik.

Die ZEIT bringt es treffend auf den Punkt: Die Gespräche drehen sich vor allem um parteipolitische Taktik und Binnenlogiken. Wer will wen loswerden, wer passt wem nicht, welcher Landesverband kam zuletzt zu kurz? Tina Hildebrandt spricht von einem besonders ärgerlichen Kontrast zur Behauptung, gerade schlage „die Bewährungsstunde der Demokratie“.

Ich wünsche mir, dass wir die eigentliche Frage in den Mittelpunkt stellen: Was muss ein Staatsoberhaupt in diesen Zeiten mitbringen? Die ZEIT beschreibt es so, dass ich es gerne unterschreibe – gesucht wird eine Person, die den abgerissenen Kontakt zwischen Bürgerinnen und Bürgern und ihren Volksvertretern wiederherstellen kann. Die Ausstrahlung besitzt, die notfalls eine Staatskrise politisch wie juristisch meistern kann – und die nicht so exponiert ist, dass sie spaltet.

Dazu gehört auch eine ehrliche Feststellung: Frausein allein ist keine Qualifikation – Mannsein aber erst recht nicht mehr. Dass erstmals ein breiter Konsens besteht, dass das neue Staatsoberhaupt eine Frau sein soll, ist ein schöner Schritt. Umso wichtiger ist es, dass am Ende nicht zwei Kandidatinnen aus der Union so gegeneinander ausgespielt werden, dass eine von ihnen beschädigt aus dem Verfahren geht. Das hätten beide nicht verdient – und das Amt auch nicht.

Mein Wunsch an die Verantwortlichen in Berlin und München: Entscheiden Sie zügig, sprechen Sie miteinander statt übereinander – und erklären Sie uns, warum Ihre Kandidatin die Richtige ist.

Und jetzt sind Sie gefragt: Was muss eine Bundespräsidentin aus Ihrer Sicht mitbringen? Wäre Ilse Aigner die Richtige – oder sehen Sie eine andere Persönlichkeit in diesem Amt? Schreiben Sie mir Ihre Meinung in die Kommentare. Jeder Kommentar wird hier veröffentlicht, sofern er respektvoll formuliert ist – denn diese Debatte gehört nicht nur in die Parteigremien, sondern zu uns allen.

Roland Mair


Quelle: Tina Hildebrandt, „Ilse oder Ines? Jesses!“, DIE ZEIT, Ausgabe 47/2026, S. 1.
Hinweis: Bei der Recherche und Formulierung dieses Beitrags hat mich eine KI unterstützt.

 
 

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