Offenes Atelier im Landkreis Augsburg – drei Besuche, drei Handschriften

Veröffentlicht am 25.10.2026 in Allgemein

Am letzten Tag des Offenen Ateliers im Landkreis Augsburg habe ich drei Künstlerinnen und Künstler besucht: Harry Meyer in Wollishausen, Norbert Kiening in Hausen und Brigitte Heintze in Göggingen. Drei sehr unterschiedliche Handschriften – Farbe als pure Präsenz, expressive Kraft in Holz und Bild, Landschaft als emotionale Erfahrung. Ein Nachmittag, der mich daran erinnert hat, wie viel künstlerischer Reichtum direkt vor unserer Haustür entsteht.

Heute ging das Offene Atelier im Landkreis Augsburg zu Ende. Zahlreiche Künstlerinnen und Künstler hatten ihre Türen geöffnet und zeigten ihre Werke – manche allein, manche gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen. Drei Stationen habe ich mir vorgenommen, und es wurde ein reicher Nachmittag.

Harry Meyer – Wollishausen

Der erste Weg führte nach Wollishausen, einen Ort, den ich bisher vor allem vom Mittagessen im Adler kannte. Harry Meyer arbeitet dort auf zwei Ebenen, und seine Werke berühren mich immer wieder aufs Neue. Seine Ölbilder leben von der Fülle der Farbe – vom Zusammenspiel der Töne, von feinsten Abstufungen, die sich mit dem Licht ständig verändern. Die Farbe spricht hier ganz ohne Worte, und doch spürt man sie fast körperlich.

Meyer ist seit dem Abschluss seines Architekturstudiums 1993 freischaffender Maler und wurde vielfach ausgezeichnet, 2015 unter anderem mit dem Kunstpreis des Landkreises Augsburg. Im „Atelierhaus – alte schule” ist derzeit außerdem die Ausstellung „CROSS VIEW – zeitgenössische Kunst aus neun bayerischen Ateliers” zu sehen, noch bis 29. November 2026. Auch die weiteren Künstlerinnen und Künstler im Haus zeigen sehr schöne Arbeiten – man sieht ihnen an, wie viel Arbeit in ihnen steckt.

Norbert Kiening – Hausen

Weiter ging es nach Hausen zu Norbert Kiening, der in Holz ebenso arbeitet wie auf der Leinwand. In Stadtbergen kennen viele seine „Holzkohle” am Bürgersaal. Ich erinnere mich noch wie gestern an die Entscheidung im Stadtrat – sie ist uns nicht leichtgefallen und fiel denkbar knapp aus. Umso mehr würde ich mir wünschen, dass wir dem Kunstwerk heute mehr Raum zur Entfaltung geben.

Kienings Werke laden dazu ein, der eigenen Wahrnehmung nachzuspüren. Wer sich darauf einlässt, erlebt die Dynamik und Kraft seiner Bildsprache unmittelbar – und entdeckt bei genauerem Hinsehen, wie differenziert sie ist: ruhige Zonen neben aufgewühlten, zarte Linien neben kraftvollen, spontanen Pinselschlägen. Der gelernte Buchdrucker und Diplom-Designer arbeitet seit 1989 als freischaffender Künstler; 1997 erhielt er den Kunstpreis des Landkreises Augsburg, viele weitere Auszeichnungen folgten. Besonders gefreut hat mich, dass ich dort das Holz-Original seines Kunstwerks sehen konnte.

Brigitte Heintze – Göggingen

Die dritte Station war Göggingen. Brigitte Heintze begleite ich schon seit vielen Jahren – noch aus der Zeit, als sie ihr Atelier in Stadtbergen hatte. Ihre Bilder sind über die Jahre immer ausdrucksstärker geworden, und sie bewegt sich mit großer Sicherheit in unterschiedlichen Richtungen. Einer ihrer Engel hängt inzwischen in unserer Wohnung in Caldonazzo und strahlt dort seine Wärme aus.

Ihre aktuellen Arbeiten kreisen um Landschaft – angeregt durch Arbeitsstipendien in Finnland und Bulgarien sowie Aufenthalte in Brasilien, Frankreich und Japan. Dabei geht es ihr nicht um das Abbild, sondern um emotionale und kulturelle Erfahrungen: um Fundstücke, Spuren und Strukturen am Rande, die einen ganz eigenen Zugang zur Landschaft öffnen. Heintze hat an der Fachhochschule für Kunst und Design in Köln studiert, lebt seit 1986 in Stadtbergen und ist mit zahlreichen Ausstellungen in Deutschland und international vertreten.

Ein Dank zum Schluss

Mit allen dreien verbindet mich auch Konrad Oberländer, ein enger Freund, der mir in den letzten Jahren immer wieder den Blick für die Kunst geöffnet hat. Drei wunderbare Ateliers – mehr ging an diesem Nachmittag nicht. Aber es war genau richtig so.

 
 

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