
Der Bundeskanzler fordert, den Reformstau aufzulösen. An der Zuckersteuer lässt sich gut beobachten, wo dieser Stau entsteht und warum es sich lohnt, dranzubleiben.

Der Bundeskanzler fordert, den Reformstau aufzulösen. An der Zuckersteuer lässt sich gut beobachten, wo dieser Stau entsteht und warum es sich lohnt, dranzubleiben.
Wie entsteht eigentlich ein Gesetz? So stellen wir uns das als normale Menschen vor: Man beobachtet eine Entwicklung. Man stellt fest, dass sie vielen Menschen nicht guttut. Man diskutiert Lösungen, findet einen Kompromiss, der Bundestag beschließt das Gesetz, und wo die Länder betroffen sind, berät der Bundesrat mit. Dann tritt es in Kraft.
Was man beobachtet hat
Wir Deutschen nehmen zu viel Zucker zu uns, und ein großer Teil davon steckt in Getränken. Das ist kein Randthema: Übergewicht, Diabetes und Karies belasten Menschen, Familien und unsere Krankenkassen. Selbst CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann sagt: „Unsere Kinder sind zu übergewichtig, der Zuckerkonsum zu hoch.”
Erst wurde es freiwillig versucht
2018 startete die damalige Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) die „Nationale Reduktionsstrategie”. Die Getränkeindustrie sagte zu, den Zuckergehalt von Softdrinks zwischen 2015 und 2025 um 15 Prozent zu senken. Tatsächlich sank er bis 2021 nur von 5,3 auf 5,2 Gramm je 100 Milliliter, also um rund zwei Prozent.
Großbritannien hat 2018 eine Herstellerabgabe auf stark gezuckerte Getränke eingeführt. Dort sank der Zuckergehalt im gleichen Zeitraum von 5,3 auf 3,8 Gramm, um fast ein Drittel. Die Hersteller haben ihre Rezepturen geändert, weil es sich für sie gelohnt hat. Medizinische Fachgesellschaften, Zahnärzte, Krankenkassen, Verbraucherschützer und die Weltgesundheitsorganisation empfehlen seit Jahren, diesen Weg auch in Deutschland zu gehen.
Der Kompromiss liegt auf dem Tisch
Die Finanzkommission Gesundheit hat die Zuckersteuer im Frühjahr als eine von 66 Maßnahmen empfohlen, um die Beiträge der gesetzlichen Krankenversicherung zu stabilisieren. Die Koalition hat sich darauf verständigt, und am 14. Oktober hat das Bundeskabinett den Entwurf auf den Weg gebracht. Jetzt ist der Bundestag am Zug.
Die Zuckersteuer auf einen Blick
- Start: geplant zum 1. Juli 2027
- 26 Cent pro Liter bei 5 bis unter 8 Gramm Zucker je 100 ml
- 32 Cent pro Liter ab 8 Gramm Zucker je 100 ml
- Betroffen: Limonaden, Cola, Eistees, Energydrinks, Fruchtnektare, gezuckerte Sirupe
- Nicht betroffen: reine Frucht- und Gemüsesäfte, Milchgetränke, Hafer- und Reisdrinks, Getränke mit Süßungsmitteln statt Zucker, alkoholische Getränke
- Kleine Hersteller: befreit bis 70.000 Liter im Jahr, angestrebt sind sogar bis zu einer Million Liter (vorbehaltlich EU-Genehmigung)
- Ziel: weniger Zucker in den Rezepturen und Entlastung der Krankenkassen
Das Prinzip ist einfach: Wer weniger Zucker verwendet, zahlt weniger oder gar nichts.
Die eigentliche Hürde
Zwischen Beobachtung und Umsetzung steht eine hohe Hürde: die Interessenvertretungen. Die Zuckerwirtschaft hat zur Rübenernte eine Kampagne gegen die Steuer gestartet, der Deutsche Bauernverband will sie ganz vom Tisch haben, und die Getränkebranche spricht von einem „neuen Monster”. Neun Agrar- und Verbraucherschutzminister der Union aus den Ländern haben dem Bundeskanzler einen Protestbrief geschrieben. Der CDU-Parteitag hatte die Steuer im Februar abgelehnt. Anfang Oktober stoppte das Kanzleramt den Entwurf zunächst, und jetzt fordert die CSU einen Start erst 2028.
Dabei gibt es auch in der Union Stimmen dafür: Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther hat sich früh für die Zuckersteuer eingesetzt, und Markus Söder nennt den Kompromiss inzwischen vertretbar. Das zeigt mir: Es ist kein Streit zwischen Parteien, sondern zwischen Gemeinwohl und Einzelinteressen.
Über vernünftige Übergangsfristen für neue Rezepturen kann man reden. Den Reformstau löst man aber am besten, indem man Vereinbartes auch umsetzt. Ich wünsche mir, dass der Bundestag die Zuckersteuer jetzt zügig beschließt, für die Gesundheit unserer Kinder.
Stadtbergen, 17. Oktober 2026 · Roland Mair
Bei Recherche und Formulierung dieses Beitrags hat mich eine KI unterstützt.
Quellen: Bundesfinanzministerium (Pressemitteilung vom 14.10.2026), AOK-Gesundheitspartner, Zahnärztliche Mitteilungen (zm-online), Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK), dpa, epd, ZDF heute, top agrar
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