Frieden muss neu erkämpft werden – wie Demokratie

Veröffentlicht am 09.08.2026 in Allgemein

Frieden ist wie Demokratie: Er muss immer wieder neu erkämpft und mit Leben gefüllt werden. Ein sichtbares Zeichen dafür ist das Friedensfest in Augsburg. Es ist ein einzigartiger Feiertag, an dem Menschen, die sich kennen oder nicht kennen, an einem Tisch sitzen, miteinander essen und miteinander reden – ohne Rücksicht auf Geschlecht, Nationalität, Alter oder Aussehen.

Vielleicht war es auch der richtige Zeitpunkt, zum ersten Mal auf die Friedenstafel zu gehen. Mein jüngster Sohn Laurenz überzeugte seinen Bruder Aaron, und auch Heike, unsere Bundestagsabgeordnete, wagte sich zum ersten Mal auf die Friedenstafel, die am 8. August auf dem Rathausplatz stattfand. Weitere 1.500 Menschen machten sich auf, um bei strahlendem Sonnenschein dort miteinander zu feiern.

Meine Söhne trafen dort auch auf Menschen, die sie aus ihrem Alltag kennen. So wurde aus einem geplanten kurzen Vorbeischauen eine ausgefüllte Mittagszeit von 11 bis 13 Uhr, mit zahlreichen Gesprächen zu unterschiedlichsten Themen. Die Zeit ist überreif dafür, dass Menschen sich treffen, sich austauschen und Vorbehalte und Vorurteile abbauen. Das Friedensfest, entstanden im Gedenken an die Wiedererlangung der Religionsfreiheit der Augsburger Protestanten im 17. Jahrhundert, ist aktueller denn je.

Hintergrund: Woher das Friedensfest kommt

Der Ursprung liegt im Dreißigjährigen Krieg. Am 8. August 1629 wurde den Augsburger Protestanten die Ausübung ihres Glaubens untersagt. Erst der Westfälische Frieden von 1648 brachte ihnen die faktische Gleichstellung mit der römisch-katholischen Kirche, die im Augsburger Religionsfrieden von 1555 bereits formuliert, aber lange nicht umgesetzt worden war.

Zur Erinnerung an den Tag ihrer Unterdrückung feierten die Augsburger Protestanten 1650 zum ersten Mal das Hohe Friedensfest – ausgerechnet am 8. August, dem Datum, an dem 1629 die Unterdrückung begonnen hatte. Seither wird das Fest, von wenigen Unterbrechungen abgesehen, jedes Jahr begangen.

Seit 1950 ist der 8. August ein gesetzlicher Feiertag, den der Bayerische Landtag ausdrücklich auf das Augsburger Stadtgebiet beschränkt hat. Damit hat Augsburg mehr gesetzliche Feiertage als jede andere deutsche Stadt. 2018 wurde das Friedensfest von der Deutschen UNESCO-Kommission in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Aus einem evangelischen Dank- und Erinnerungsfest ist im Lauf der Jahrzehnte ein Fest der ganzen Stadtgesellschaft geworden: interreligiös, interkulturell, offen für alle. Genau das war am 8. August 2026 auf dem Rathausplatz zu erleben – 1.500 Menschen an weiß gedeckten Tischen, die sich zum ersten Mal begegneten oder sich aus dem Alltag kannten, im Gespräch über Grenzen hinweg.

Quellen: Stadt Augsburg (augsburg.de), Augsburger Hohes Friedensfest – Wikipedia, Friedensfest Augsburg (friedensfest-augsburg.de)

 
 

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