Warum schreibt ein Mann über das Hebammenwesen? Ganz einfach: Weil Geburt alle angeht – Eltern, Kinder, Familien und unsere gesamte Gesellschaft. Unsere drei Söhne sind mit Unterstützung einer Hebamme zur Welt gekommen. Diese Begleitung vor, während und nach der Geburt war für uns unbezahlbar. Umso mehr macht mir Sorge, dass sich die Rahmenbedingungen für Hebammen seit Jahren eher verschlechtern als verbessern. Es ist Zeit, dass wir vor Ort mehr tun: für bessere Arbeitsbedingungen, planbare Vergütung und verlässliche Versorgung.
Hebammen sind die Brücke zwischen der oft anonymen Atmosphäre im Krankenhaus und der Geborgenheit des eigenen Zuhauses. Sie geben Sicherheit in einer Phase, die sich nicht in Kalender und Schichtplan pressen lässt. Diese Erfahrung prägt mich. Darum ist das Thema für mich nicht abstrakt, sondern sehr konkret – menschlich und politisch.
Seit Jahren kämpfen Hebammen mit schwierigen Rahmenbedingungen: hohe Verantwortung, unplanbare Arbeitszeiten und Vergütungsfragen, die der Realität von Rufbereitschaft und individueller Betreuung nicht gerecht werden. Wenn Regelungen am Bedarf vorbeigehen, entsteht genau das Gegenteil von dem, was wir brauchen: weniger verfügbare Hebammen, längere Wege, spätere Betreuung – besonders in Regionen, in denen es ohnehin knapp ist. Wer sich nicht frühzeitig um eine Hebamme kümmern kann oder keine findet, bleibt zu oft ohne persönliche Begleitung. Das trifft Familien in einer hochsensiblen Lebensphase.
Warum Hebammen unverzichtbar sind
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Sicherheit & Kontinuität: Kontinuierliche Begleitung senkt Stress, stärkt die Bindung und kann medizinische Risiken früh erkennen.
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Würde & Selbstbestimmung: Hebammen ermöglichen informierte Entscheidungen und eine Geburt in Respekt und Ruhe.
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Entlastung des Systems: Gute Vor- und Nachsorge reduziert unnötige Klinikaufenthalte und verhindert Folgekosten.
Was wir kommunal konkret tun können
Auch wenn viele Weichen auf Landes- und Bundesebene gestellt werden, gibt es vor Ort wirksame Hebel – und an denen möchte ich ansetzen:
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Kommunale Rufbereitschaftspauschale prüfen: Städte/Gemeinden können – wo rechtlich möglich – eine ergänzende Pauschale mitfinanzieren, um die 24/7-Bereitschaft abzusichern.
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Hebammen-Stützpunkt / Familienzentrum: Räume, Sprechzeiten, Kursangebote zentral bündeln – mit leichtem Zugang für Schwangere, auch ohne lange Wartezeit.
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Vernetzungsplattform & Lotsendienst: Eine kommunal moderierte Anlaufstelle, die verfügbare Kapazitäten transparent macht und Frauen frühzeitig vermittelt.
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Arbeitsbedingungen vor Ort verbessern: Kostenfreie oder stark vergünstigte Raumnutzung für Kurse, Stillgruppen und Rückbildung; Park-/Wege-Lösungen für Hausbesuche; unkomplizierte Mittel für Leihmaterial(Waagen, Schienen etc.).
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Nachwuchs fördern: Kooperationen mit Schulen, Berufsfachschulen und Hochschulen, Praxisplätze in Kliniken vor Ort – und Willkommenspakete für Hebammen, die sich neu ansiedeln.
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Runder Tisch Geburtshilfe: Klinik, niedergelassene Ärzt:innen, Hebammen, Jugendamt und Kommune regelmäßig zusammenbringen – Probleme früh erkennen, Lösungen verabreden.
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Öffentlichkeitsarbeit: Kampagnen zur frühen Kontaktaufnahme („Hebamme suchen – am besten gleich zu Beginn der Schwangerschaft“) und zur Wertschätzung des Berufs.
Haltung: Mehr Wertschätzung, weniger Hürden
Geburt ist keine Produktionslinie. Wenn der Anteil geplanter Geburten wächst, darf das nicht auf Kosten von Selbstbestimmung und individueller Begleitung gehen. Wir brauchen verlässliche Strukturen – und eine Vergütung, die die Realität von Rufbereitschaft und Mehrfachbetreuung fair abbildet. Wertschätzung zeigt sich im Alltag: in einfachen Zugängen, guten Arbeitsbedingungen und einer Kultur, die Hebammen als zentrale Fachkräfte anerkennt.
Was jede*r beitragen kann
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Frühzeitig informieren und früh eine Hebamme anfragen.
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Angebote teilen: Junge Familien auf lokale Hilfen und Kurse aufmerksam machen.
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Öffentlich unterstützen: Hebammenarbeit sichtbar machen – in Vereinen, Netzwerken, auf Veranstaltungen.
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Politische Stimme nutzen: Kommunale Initiativen unterstützen, Anliegen im Stadtrat platzieren, Entscheidungsträger ansprechen.
Mein Fazit:
Hebammen leisten unschätzbare Arbeit – für einen guten Start ins Leben und für starke Familien. Wenn wir in Stadtbergen gute Bedingungen schaffen, gewinnen alle: Eltern, Kinder, Kliniken und unsere Gemeinschaft. Ich setze mich dafür ein, dass Wertschätzung nicht nur ein Wort ist, sondern sich in konkreten Maßnahmen zeigt. Wer mitgestalten will oder Hinweise hat, darf sich gerne bei mir melden. Gemeinsam schaffen wir bessere Bedingungen – jetzt.