Wenn Verantwortung zur Frage der Gerechtigkeit wird

Veröffentlicht am 05.11.2025 in Allgemein

In Deutschland wächst jedes fünfte Kind bei nur einem Elternteil auf. Für diese Familien ist der Kindesunterhalt keine freiwillige Zusatzleistung, sondern eine finanzielle Lebensgrundlage. Trotzdem kommt ein erheblicher Teil der unterhaltspflichtigen Eltern – meist Väter – dieser Verantwortung nicht nach.

Laut Daten der Bertelsmann-Stiftung erhalten nur etwa die Hälfte der Alleinerziehenden regelmäßig und vollständig den zustehenden Unterhalt. Die Folgen sind gravierend: Über 40 Prozent der Ein-Eltern-Familien gelten als armutsgefährdet. Der Staat springt zwar mit dem Unterhaltsvorschuss ein, doch nur rund ein Fünftel dieser Gelder kann später wieder eingezogen werden. Der Rest bleibt bei der Allgemeinheit hängen – und trifft damit auch jene, die ihre Verantwortung zuverlässig wahrnehmen.

Dass diese Situation so lange hingenommen wurde, ist ein gesellschaftliches Problem. Zwar hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan: Der Gesetzgeber hat das Unterhaltsrecht modernisiert, die Auskunftspflichten verschärft und die Elternzeit ausgebaut. Aber an der Realität vieler Familien hat sich wenig geändert.

Meine persönliche Sicht

Ja, es stimmt: Rund 88 Prozent der Unterhaltspflichtigen sind Männer. Wir haben in den letzten Jahren viel getan, um Väter stärker in die Erziehung einzubinden – Elternzeit, Elterngeld, flexible Arbeitsmodelle. Doch in der Praxis ist es immer noch oft die Frau, die den Alltag mit Kindern organisiert, weil sie weniger verdient oder weil gesellschaftliche Erwartungen es so vorsehen.

Familien mit Kindern sind heute häufiger von Armut bedroht als früher. Die politischen Maßnahmen haben manches verbessert, aber keinen echten Durchbruch gebracht. Positiv ist: Das Thema ist beim Gesetzgeber angekommen. Es wird nicht mehr geduldet, dass sich Unterhaltspflichtige entziehen. Schrittweise versucht man, den Anteil der „Verweigerer“ zu senken.

Aber Gesetze allein werden das Problem nicht lösen. Es braucht Haltung und Verantwortungsbewusstsein – im Großen wie im Kleinen. Wer ein Kind in die Welt setzt, trägt Verantwortung, und zwar dauerhaft. Verantwortung endet nicht mit der Trennung, sondern beginnt dort oft erst neu. Kinder brauchen Stabilität, Fürsorge und Eltern, die verlässlich handeln – egal, ob sie zusammenleben oder nicht.

 
 

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