
Nach dem Rathausfest, das den 100. Geburtstag des Rathauses feierte, ging es am vergangenen Wochenende mit dem Fahrrad weiter: 23 Teilnehmerinnen und Teilnehmer machten sich bei hochsommerlichen Temperaturen auf, um die verschiedenen Stadtteile von Stadtbergen kennenzulernen – begleitet von Menschen, die die Geschichte ihrer Heimat aus erster Hand kennen.
Start am Rathaus: Von der Gendarmerie zum Seniorenheim
Startpunkt war das Rathaus selbst, das ursprünglich als Gendarmerie genutzt wurde. In unmittelbarer Nähe befand sich einst das Amtsgericht, das über einen sogenannten „Seufzertunnel“ unterhalb der Bauernstraße mit dem Gefängnis verbunden war – heute steht an dieser Stelle das Seniorenheim am Schlößle. Wer hätte gedacht, dass Stadtbergen früher in Unter- und Oberdorf gegliedert war, jeweils mit eigener Gaststätte und eigener Brauerei? Auch an bekannte Frauen der Stadtgeschichte wurde erinnert: Martha Schadt und Ulla Kling, die für ihre volkstümlichen Komödien bekannt wurde.
Leitershofen: Als der Ort noch Ausflugsziel Nummer eins war
Weiter ging es nach Leitershofen, wo Michael Niedermair die Gruppe bereits erwartete. Trotz der Hitze berichtete er lebendig von den zahlreichen Gaststätten, die Leitershofen einst zu einem beliebten Ausflugsziel machten – etwa das Café Völk oder Café Seitz. Am Nervenheilring wurde früher Ski und Rodel gefahren, im Mohrenkopf bis vier Uhr morgens Karten gespielt, und die Schützen hatten dort ihren Schießstand. Als ehemaliger Ministrant hatte Niedermair auch amüsante Anekdoten über Pfarrer und Messner parat, dazu Geschichten aus seiner Schulzeit über so manchen Lehrer. Eine Teilnehmerin merkte an, dass all das zwar auch in der Chronik nachzulesen sei – aber eben nicht dasselbe, wie wenn Stadtrat Niedermair es persönlich erzählt.
Deuringen: Das Bergdorf der Ziehbrunnenbewohner
Von dort führte die Tour weiter nach Deuringen, zu Hubert Schöpf, der bereits in sechster Generation dort lebt. Er erzählte spannend von den Beinamen der Deuringer – „Bergdörfler“, „Hochgebirgler“ oder „Ziehbrunnenbewohner“ – die auf eine große unterirdische Steinplatte zurückgehen, die sich von Türkheim bis Westheim erstreckt und Deuringen ein großes Wasserreservoir bescherte. In Deuringen selbst trafen einst drei kleine Bäche zusammen – Diebelbach, Schlaugraben und das Deuringer Bächlein –, die später zur Wertach wurden. Die Brunnen waren bis 1962 in Betrieb, bevor Deuringen an die zentrale Wasserversorgung Augsburgs angeschlossen wurde.
Virchowviertel: Von der Rosenzucht zum modernen Stadtteil
Letzte Station war das Virchowviertel, wo sich die Gruppe in der Gaststätte der Fritz-Aichele-Farm mit Altbürgermeister Dr. Ludwig Fink traf. Er berichtete, dass an dieser Stelle einst eine große Gärtnerei seiner Vorfahren Rosen züchtete und die Ulmer Landstraße von einer Allee gesäumt war. Erst deutlich später entstanden hier zahlreiche Wohnblöcke für die amerikanische und deutsche Bevölkerung, und in der Nachbarschaft wuchs ein großes Gewerbegebiet heran, das bis heute die Versorgung der Region mit Gütern des täglichen Bedarfs sichert. Ab 1992 kamen ein Kindergarten mit Versammlungsraum, die Straßenbahnlinie 2 bis zum Klinikum sowie ein Park-&-Ride-Platz für Pendlerinnen und Pendler hinzu, die von dort aus in die Augsburger Innenstadt fahren konnten.
Den Abschluss der Tour bildete die Fritz-Aichele-Farm selbst – eine einmalige Siedlung, die ursprünglich von Augsburgern gegründet wurde, die dort Hasen züchteten. In den 1950er-Jahren erhielt die Siedlung einen Wasseranschluss, und erst in den vergangenen Jahren konnte eine geordnete bauplanerische Struktur hergestellt werden – die Stadt legte dabei Wert darauf, den ursprünglichen Charakter der Siedlung zu bewahren.
Die Teilnehmenden nahmen viele Einblicke in die Stadtteile und ihre Geschichte mit nach Hause – und ließen den Nachmittag bei der gutbürgerlichen Küche der Farm gemütlich ausklingen.
Nächster Termin: Donnerstag, 16. Juli, 17:00 Uhr, Abfahrt Rathaus Stadtbergen
Weiter geht's zum Europaweiher in Gersthofen! Dort wartet ein gemeinsames Picknick, bevor es anschließend zurück nach Stadtbergen geht. Wir freuen uns auf zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer!