Kulturabstecher über den Dächern von Hamburg

Veröffentlicht am 30.01.2026 in Allgemein

Die zentrale Außendienstveranstaltung führte mich in diesem Jahr nach Hamburg. Und auch wenn solche Termine meist eng getaktet sind, nutze ich Aufenthalte in anderen Städten gerne, um ein wenig in deren kulturelles Leben einzutauchen. Hamburg fühlt sich dabei ganz anders an als Bayern: rauer, direkter, maritimer – und kulturell unglaublich lebendig.

So zog es mich an einem kalten Abend nicht ins Hotel, sondern hinaus durch die winterliche Stadt. Mein Ziel lag gut versteckt im vierten Stock über dem Tivoli-Theater an der Reeperbahn. Zahlreiche Treppen später öffnete sich die Tür zum Nachtasyl – einer kleinen, besonderen Bühne über den Dächern der Stadt. Der Weg nach oben war fast symbolisch: ein wenig Anstrengung, aber es lohnt sich.

Gespielt wurde ein musikalisch-szenischer Abend über den Komponisten Hanns Eisler und seinen Freund Bertolt Brechtim amerikanischen Exil.

Die Veranstaltung war ausverkauft, nur ein paar Restkarten gab es noch. Mit einer guten Portion Optimismus machte ich mich dennoch auf den Weg – und wurde belohnt. Drei Schauspielerinnen und Schauspieler sowie eine Pianistin verwandelten die kleine Bühne in ein eindrucksvolles Stück Zeitgeschichte.

Die Handlung zeichnet das Bild politischer Emigranten ohne Heimat. Seit der Machtübernahme Hitlers irren sie durch die Welt und landen schließlich an der amerikanischen Pazifikküste. Eisler arbeitet am „Hollywood Liederbuch“, Brecht denkt rauchend und schreibend über eine bessere Zukunft nach. Zwischen Hoffnung und Melancholie, zwischen Neubeginn und Heimweh entsteht ein intensives Porträt einer verlorenen und zugleich produktiven Zeit.

Die Lieder und Texte erzählen vom Ankommen in einer fremden Welt, vom Festhalten an Überzeugungen und von der Sehnsucht nach Europa. Trotz aller Schwere liegt über dem Abend eine besondere Energie: Kunst als Widerstand, Musik als Halt.

Gerade die intime Atmosphäre des Nachtasyls machte den Abend so eindrucksvoll. Kein großes Bühnenbild, kein überladener Effekt – stattdessen Sprache, Musik und Präsenz. Man sitzt nah dran, hört jeden Ton des Klaviers, jede Nuance der Stimme.

Für mich war es ein wunderbarer Beweis dafür, wie bereichernd solche kulturellen Abstecher am Rande beruflicher Termine sein können. Hamburg hat erneut gezeigt, wie vielfältig und tief seine Kulturlandschaft ist – manchmal gut verborgen, aber immer eine Entdeckung wert.

Beim nächsten Aufenthalt werde ich sicher wieder dort oben vorbeischauen und noch tiefer in diese besondere Hamburger Mischung aus Geschichte, Gegenwart und Kreativität eintauchen. Es lohnt sich.

 
 

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