Verbot oder Überzeugung? Warum ich beim Verbrenner-Aus für klare Regeln bin

Veröffentlicht am 08.11.2026 in Allgemein

Das EU-Parlament ist dabei, das sogenannte Verbrenner-Aus ab 2035 aufzuweichen. Statt 100 Prozent sollen neue Autos dann nur noch 90 Prozent weniger CO₂ ausstoßen müssen. Ich halte das für den falschen Weg.

Klare Regeln mit langen Übergangsfristen haben sich in der Vergangenheit bewährt – bei der Gurtpflicht genauso wie beim Rauchverbot in Gaststätten. Sie geben der Industrie Planungssicherheit, treiben Innovationen voran, stärken unsere Wettbewerbsfähigkeit gegenüber China und nützen am Ende der Umwelt und uns Menschen selbst. Wer jetzt kurz vor dem Ziel die Regeln ändert, belohnt nicht die Vorreiter, sondern die Zögerer.

Der Anlass

Neulich habe ich auf Bayern 2 ein Interview mit dem CDU-Europaabgeordneten Jens Gieseke gehört. Er bezeichnete das Ende des Verbrenner-Aus als sinnvolle Entwicklung: Es nütze der Umwelt, erhöhe den Anteil von E20-Benzin und fördere grünen Stahl. Und er forderte, die Grünen sollten mit ihrer Verbotspolitik und der Gängelung der Menschen aufhören.

Das hat mich nachdenklich gemacht – und ich habe mir die Frage gestellt: Brauchen wir Verbote, oder reicht Überzeugung?

Zum Stand: Die EU-Kommission hat im Dezember 2025 vorgeschlagen, die Vorgaben für 2035 zu lockern. Am 4. November 2026 hat der Umweltausschuss des Europaparlaments zugestimmt, die entscheidende Abstimmung im Plenum ist für Mitte Dezember geplant. Danach müssen auch die Mitgliedstaaten im Rat mit qualifizierter Mehrheit zustimmen. Noch ist also nichts endgültig entschieden.

Was die Lockerung konkret bedeutet

Ein ausdrückliches „Verbot“ gab es nie. Das Verbrenner-Aus ergibt sich aus den europäischen Flottengrenzwerten – sie legen fest, wie viel CO₂ die Neuwagen eines Herstellers im Schnitt ausstoßen dürfen. Autos, die bereits auf der Straße sind, waren nie betroffen.

Künftig sollen die Hersteller die CO₂-Emissionen ihrer Neuwagen bis 2035 nur noch um 90 statt um 100 Prozent senken müssen. Die verbleibenden 10 Prozent sollen sie ausgleichen: bis zu 70 Prozent über grünen Stahl aus der EU, der Rest über E-Fuels und fortschrittliche Biokraftstoffe aus Abfall- und Reststoffen. Die Kommission rechnet damit, dass nach 2035 noch 27 bis 29 Prozent der Neuwagen einen Verbrennungsmotor haben.

Interessant ist ein Detail: Biokraftstoffe aus Energiepflanzen wie Raps oder Mais sind für diesen Ausgleich ausdrücklich ausgeschlossen. Das klassische Argument „mehr E20 im Tank“ trägt also weniger weit, als es klingt.

Was uns Gurt und Rauchverbot lehren

Die Debatte „Verbot oder Überzeugung“ klingt nach Schwarz-Weiß. Die Erfahrung zeigt aber: Klare Regeln und Überzeugung schließen sich nicht aus – oft macht erst die Regel aus der guten Absicht eine Gewohnheit.

  • Gurtpflicht: Seit 1976 gilt sie, doch erst mit dem Bußgeld ab 1984 haben sich fast alle angeschnallt. Appelle allein haben nicht gereicht. Heute denkt niemand mehr darüber nach – und unzählige Menschen leben noch.
  • Rauchverbot in Gaststätten: In Bayern haben es 2010 die Bürgerinnen und Bürger selbst per Volksentscheid durchgesetzt. Damals gab es Untergangsprognosen für die Wirtshauskultur. Heute möchte kaum jemand zurück.
  • FCKW-Verbot: Das Montrealer Protokoll hat die Industrie zu Alternativen gezwungen. Die Ozonschicht erholt sich.

Allen drei Beispielen ist gemeinsam: Das Ziel war klar, die Alternative war erreichbar – und die Regel blieb verlässlich. Genau diese Verlässlichkeit steht beim Verbrenner-Aus jetzt auf dem Spiel.

Warum ich für klare Regeln bin

Lange Fristen geben Planungssicherheit. Das Ziel für 2035 wurde 2022 vom Europaparlament beschlossen. Das sind mehr als zwölf Jahre Vorlauf – länger als ein typischer Modellzyklus. Wer investiert, braucht verlässliche Leitplanken. Viele Hersteller haben ihre Werke und Entwicklungsabteilungen längst umgestellt. Sie werden jetzt nicht belohnt, sondern verunsichert.

Klare Ziele treiben Innovation. Ingenieurinnen und Ingenieure lösen Probleme, wenn das Ziel feststeht. Batterien sind in den letzten Jahren günstiger, leichter und leistungsfähiger geworden, Elektroautos erreichen in Europa inzwischen fast 30 Prozent Marktanteil. Diese Entwicklung ist kein Zufall – sie ist auch eine Folge klarer Vorgaben.

Wettbewerbsfähigkeit entsteht durch Vorsprung, nicht durch Aufschub. Der Weltmarkt wartet nicht auf Europa. Chinesische Hersteller setzen konsequent auf Elektromobilität. Wenn wir unsere Industrie jetzt länger beim Verbrenner halten, schützen wir sie nicht – wir lassen sie zurückfallen. Umweltverbände wie der NABU warnen genau davor: Wer die Ziele aufweicht, verspielt Vertrauen und bremst Innovation.

Am Ende profitieren Umwelt und Menschen. Weniger Abgase bedeuten sauberere Luft in unseren Städten und weniger Verkehrslärm. Und batterieelektrische Autos sind nach Ansicht vieler Fachleute deutlich effizienter als Verbrenner mit E-Fuels oder Biokraftstoffen. Strom aus Sonne und Wind direkt im Auto zu nutzen, ist schlicht der kürzere Weg.

Die Einwände nehme ich ernst

Die Sorgen der Befürworter sind nicht aus der Luft gegriffen. Die Autoindustrie steckt in einer schwierigen Lage, Arbeitsplätze hängen daran – auch bei uns in Bayern. Und es stimmt: Ladeinfrastruktur und Preise der E-Autos sind noch nicht überall dort, wo sie sein müssten.

Daraus folgt für mich aber nicht, das Ziel aufzugeben. Daraus folgt, die Voraussetzungen schneller zu schaffen: mehr Ladepunkte, bezahlbare kleine E-Autos aus Europa, günstiger Strom. Gute Ideen wie die Förderung von grünem Stahl unterstütze ich ausdrücklich – sie brauchen aber kein Aufweichen des Ziels.

Bemerkenswert finde ich: Selbst der Verband der Automobilindustrie ist mit dem Kompromiss unzufrieden. Er befürchtet, dass die Ausnahmen mit so vielen Hürden verbunden sind, dass sie in der Praxis kaum wirken. Am Ende droht ein komplizierter Kompromiss, der weder dem Klima noch der Industrie wirklich hilft.

Mein Fazit

Verbot oder Überzeugung – für mich ist das kein Gegensatz. Gute Regeln sind das Ergebnis von Überzeugung: Wir haben uns gemeinsam ein Ziel gesetzt und uns Zeit gegeben, es zu erreichen. Diese Regeln jetzt kurz vor dem Ziel aufzuweichen, wäre kein Zeichen von Freiheit, sondern von Unentschlossenheit.

Ich wünsche mir, dass das Europaparlament im Dezember den Mut hat, beim Ziel zu bleiben – und dass wir die Energie, die wir in Ausnahmen stecken, lieber in Ladestationen, bezahlbare Autos und grünen Stahl investieren. Davon profitieren unsere Industrie, unsere Umwelt und unsere Kinder.

Hinweis: Bei der Recherche und Formulierung dieses Beitrags hat mich eine Künstliche Intelligenz unterstützt.

Quellen

 
 

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