Besuch im Krankenhaus Buchloe

Veröffentlicht am 17.07.2008 in Gesundheit

Krankenhäuser müssen keine Problemhäuser sein, das beweist das Krankenhaus St. Josef in Buchloe. Die Chefärzte Dr. Ablasser und Dr. Härtel erläuterten den Kreisvorsitzenden und Landtagskandidaten Roland Mair, der Bezirksrätin Ellen Blask sowie dem Juso-Vorsitzenden Martin Ehmann die Hintergründe einer erfolgreichen Klinikleitung.

Das Krankenhaus hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Nach der Insolvenz des Deutschen Ordens wurden die vier Krankenhäuser vereinigt, an der Spitze das Krankenhaus in Kaufbeuren. In der Vergangenheit haben sich um die Entwicklung des Krankenhauses neben Dr. Paul Wengert auch die ehemalige Bundestagsabgeordnete, Dr. Sigrid Skarpelis Sperk gekümmert.

Aktuell besteht die gleiche Situation wie unter den Zeiten des Deutschen Ordens; wenn man die Krankenhäuser finanziell vergleicht, stellt man fest, dass das Krankenhaus in Buchloe weiterhin schwarze Zahlen schreibt, jedoch aufgrund der Verrechnung der Gemeinkosten der anderen Krankenhäuser in die Verlustzone gerät. Man bekommt die Kostenstruktur nicht in den Griff, ein Chefarzt wurde bereits entlassen, weil nach offiziellen Angaben sein Verhalten im Krankenhaus Füssen eigenmächtig war.

Finanziell in Schieflage ist man gekommen, weil man mit Finanzigeschäften riesige Verluste angehäuft hat. Auf das Krankenhaus Buchloe heruntergebrochen, wird das Krankenhaus Buchloe mit einem Betrag im sechsstelligen Bereich, würde ohne diese Belastung einen Gewinn von 7.000 Euro erwirtschaften. Auch die Abgeordneten der Mehrheitsfraktion zusammen mit dem Landrat konnten in der Vergangenheit keine positive Entwicklung einleiten.

Das St. Josefs-Krankenhaus ist ein Krankenhaus mitten in der Stadt, der Chefarzt, Dr. Härtel ist vor vier Jahren zu der Klinik gekommen, weil er eine Umwandlung in ein privates Haus nahe Frankfurt miterlebt hat und dort die Nachteil des auf Gewinn ausgerichteten Betriebs kennengelernt hat. Experten haben ihm vor Jahren prophezeit, dass es in naher Zukunft Krankenhäuser unter 200 Betten nicht mehr geben wird. Das Krankenhaus Buchloe hat motivierte Mitarbeiter, die zusammenarbeiten und von gegenseitigem Vertrauen geprägt sind. In der Zwischenzeit haben die Experten ihre Meinung wieder geändert.

Das Erfolgsrezept in Buchloe ist die gemeinsame Behandlung von Patienten von Internisten und Chirurgen. Seit über vier Jahren werden Patienten in einer Aufnahmestation aufgenommen und dort je nach Krankheitsbild in die Innere Medizin oder in die Chirurgie verwiesen. Die Krankenhausleitung hat sich für die Abschaffung der getrennten Abteilungen ausgesprochen, so ist es möglich eine nAblaufplan zu entwickeln der patientenorganisiert ist. Einen weiteren Schritt wurde mit der Einführung der elektronischen Patientenakte geschaffen, künftig ist es möglich, elektronisch an jeder Stelle auf die Daten zuzugreifen.

Hart zu schlucken hat die Krankenhausleitung, dass die Personalverwaltung nach Kaufbeuren verlegt wurde. Nun werden zusätzliche Stellen geschaffen, die früher nicht notwendig waren z.B. einen Pressereferenten. Auch werden Kosten produziert, die bei alleinstehenden Häusern nicht notwendig wären, wie zum Beispiel im Krankentransport. Die aktuellen Verluste gehen auf zwei Krankenhäuser zurück, das Krankenhaus in Kaufbeuren, das in Verantwortung der Stadt und des Kreises ist, hat einen Schuldenanstieg zu verzeichnen. Wichtig für die erfolgreiche Ausrichtung ist eine eindeutige Struktur: Grund- und Regelversorgung oder Schwerpunkthäuser, die medizinisch interessant sind.

Positiv hat sich für das Haus in Buchloe die Einführung eines Qualitätsmanagements herausgestellt. Innerhalb von zwölf Monaten entwickelten die Mitarbeiter Prozesse und Arbeitsabläufe, die Abläufe werden regelmässig geprüft und aktualisiert.

Der Zusammenschluss der Krankenhäuser bremst die Flexibilität und Sachverhalte werden zunehmend nicht mehr diskutiert. Zum Beispiel müssen in der Zwischenzeit Defekte am Haus an das Haupthaus gesandt, dort geprüft und entschieden, wer es reparieren soll.
Eines war den beiden Chefärzten ebenfalls klar, diese Struktur kann nur einer Größenordnung bis zu 200 Betten funktionieren. Das Krankenhaus in Buchloe hat eine klare Struktur: Hausärzte überweisen gerne in das Krankenhaus, weil dort Spezialkrankheiten an Spezialkliniken weitergegeben werden. 80 % der Krankheitsfälle können in der Grund- und Regelversorgung behandelt werden, dagegen müssen die Grenzen klar definiert sein. Es wird eine vertikale Vernetzung zwischen Hausärzten, Krankenhäuser und Großkliniken benötigt. Positiv ist in diesem Zusammenhang die Entwicklung, dass ein Hausarzt in der Zwischenzeit 13 Stunden im Krankenhaus verbringen, gerade für junge Ärzte bringt dieses Sicherheit und Vertrauen. Die gewonnene Erfahrung läßt die beiden Chefärzte zu der Überzeugung kommen, dass es ein Zukunftmodell wird.

Als Landtagskandidat habe ich einen guten Einblick gewonnen, wie Krankenhausführung in einem kleineren Krankenhaus aussehen kann, auch die Bezirksrätin bestätigte der Krankenhuasleitung ein von Vertrauen und Kompetenz geführte Klinikleitung. Es war ein guter, interessanter und spannender Besuch, und wir haben den Eindruck gewonnen, das Krankenhäuser nicht unbedingt Problemzonen sind.

 
 

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