Gutes Fleisch ist nicht zum Nulltarif zu haben

Veröffentlicht am 02.06.2020 in Allgemein

Unser Fleisch ist nicht umsonst so billig zu haben. In den letzten Jahren hat man immer wieder gelesen, dass die Lebensmittelketten und Discounter auf die Landwirtschaft massiven Druck ausüben. Auch die Diskussionen um die Schlachtbetriebe sind ein Anlass für Kritik an der Branche. Letztendlich muss ich alles dem Druck von billigen Lebensmitteln unterordnen. Im Rahmen der Europäisierung ist es möglich, dass Europäische Arbeitnehmer zu landesspezifischen Löhnen Arbeiten übernehmen können. Unternehmenseigene Mitarbeiter werden entlassen, um osteuropäische Arbeitnehmer zu osteuropäischen Löhnen zu beschäftigen. Fest angestellte Betriebsangehörige wurden mit Werkverträgen oder Leiharbeiter ersetzt. Die Unterbringung der Arbeiter grenzt an menschenunwürdige Zustände. Auch die Kontrollen haben in den letzten Jahren rapide abgenommen. Die Regierung kann nicht einmal Angaben zu Leiharbeitskräften, Werkvertragsbeschäftigten und entsandten Beschäftigten von ausländischen Subunternehmen vorlegen.

Diesen Druck auf den Erzeuger / Schlachthof hängt meiner Meinung nach mit deutschen Manie nach billigen Lebensmittel zusammen. In Italien, Tschechien und Portugal zahlt man das doppelte für den Lebensunterhalt wie in England oder Österreich.

In der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ warf Julia Klöckner Anfang des Jahres den Supermärkten „Dumpingpreise“, insbesondere beim Fleisch vor. Klöckner machte aber auch eine „Doppelmoral“ unter den Verbrauchern aus. Die seien häufig nicht bereit, für Lebensmittel faire Preise zu zahlen. Als Verbraucher haben wir einen großen Machthebel in der Hand. Fleischkäufer entscheiden nicht nur hinsichtlich Geldbeutel und Qualität der Mahlzeit. Sie beeinflussen mit ihrem Kaufverhalten u. a. auch die Haltung und Fütterung der Tiere.

Der Preiskampf des Handels über Billigangebote im Fleischbereich führt auf Dauer zu Qualitätseinbußen und fördert Konzentrationsprozesse auf allen Stufen von der Tierhaltung über die Schlachtung und Verarbeitung bis hin zum Handel. Kleine Betriebe mit niedrigeren Produktionsmengen können nicht so kosteneffizient arbeiten wie die Großen - das "Bauernsterben" und die stetig sinkende Zahl der Metzgereien zeigen seit vielen Jahren, wohin die Reise geht.

Niedrige Preise gehen auch zu Lasten des Tierwohls in der Tierhaltung. Alle Tierschutzmaßnahmen, die über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgehen, kosten zusätzliches Geld. Je niedriger die Erlöse sind, umso geringer ist der finanzielle Spielraum für freiwillige Maßnahmen.

Tierschutz ist nicht zum Nulltarif zu haben und liegt auch in der gesellschaftlichen Verantwortung. Angemessen höhere Preise sind daher eine überfällige Investition. Der heutige Fleischkonsum ist angesichts seiner Umwelt- und Klimafolgen sowie aus gesundheitlicher Sicht zu hoch und sollte reduziert werden. Weniger, aber dafür qualitativ besseres Fleisch ist das Motto, dann stellen angemessene - höhere - Fleischpreise für niemanden ein Problem dar.

Also, gute Vorsätze werden nicht nur zum Jahresanfang gemacht: Ab morgen wird kein anonymes Fleisch mehr vom Discounter gekauft, sondern vom regionalen Metzger.

… und den frage ich auch beim nächsten Mal wieviel der Arbeiter an der Schlachtbank bekommt.

 
 

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    https://www.pustet.de/shop/article/28540689/clemens_j_setz_die_stunde_zwischen_frau_und_gitarre.html